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Was ist Cloud-Computing?

Auch wenn Sie vom „Cloud Computing“ noch nie etwas gehört haben, nutzen sie es mit Sicherheit schon: Sie schreiben Mails. Virtueller Briefverkehr ist Cloud Computing der klassischen Art: Anwender nutzen Dienste aus dem Internet, die in Fachkreisen gerne verschönernd „Cloud“ genannt werden. Warum verschönernd? Cloud ist eigentlich ein Marketingbegriff, der den Blick auf die positive Seite des Geschäfts richten soll: Aus einer Wolke bekommen Anwender IT-Dienste auf den Rechner oder das Smartphone geliefert, um den Rest und mögliche Gefahren braucht sich also niemand mehr Gedanken zu machen. In der Tat kann Cloud Computing so einfach sein: Voraussetzungen sind lediglich eine schnelle Internetverbindung und ein aktueller Webbrowser. Unternehmen zögern beim Umzug in die Cloud

Was ist eigentlich Cloud Computing? Cloud Computing bestimmt sich durch mehrere Merkmale: Erstens dienen das Internet beziehungsweise die Server der Cloud-Anbieter als Zentrale. Hier darf man sich nicht verwirren lassen, wenn manchmal zusätzliche Hilfsprogramme auf den Rechnern eingesetzt werden, wie ein Mail-Client im Falle von Mailing. Der Mail-Account wie auch der dazu gehörige Speicherplatz werden ja im Web bereitgestellt.

Auch die meisten Web2.0-Dienste wie Facebook sind Cloud Services.

Zweitens stehen hinter Cloud Computing Mietmodelle, die sich meist ziemlich spezifisch an individuellen Bedarf anpassen lassen. Denn auch wenn Mail-Konten für Privatanwender meist kostenlos sind, zahlt der Nutzer doch, etwa über die Pflicht, Werbemails hinnehmen zu müssen. Auch typische Vertreter des Web 2.0 wie Facebook basieren auf Cloud Computing: Hier, so sagen Kritiker gerne, bezahlt der Nutzer mit seiner Privatsphäre. Drittens sind Cloud-Computing-Dienste skalierbar, das heißt sie stehen beliebig vielen Anwendern frei, und diese können wiederum den Umfang der in Anspruch genommenen Leistungen beliebig nach oben schrauben.Und schließlich sind Cloud Computing Dienste unabhängig von Ort und Zeit: Überall wo es Internet gibt, kann losgelegt werden.
IT-Experten bezeichnen das, was Cloud Computing derzeit mit der IT macht, als deutlich einschneidender als das, was einst die Einführung von Servern für die Branche bedeutete. Denn Server ermöglichen es zwar, Netzwerke einzurichten – aber: Sie sind teuer, wodurch ihre Dienste meist nur großen Firmen und Konzernen vorbehalten sind. Das Internet liefert dagegen diese Serverdienste und noch viel mehr schlüsselfertig vor die Haustür – vom Privatanwender über den Gewerbetreibenden bis zum Konzern kann jeder gleich loslegen. Das gilt nicht nur für das Mailing. Auch Web 2.0-Plattformen wie Facebook, Twitter und Co, Fotodienste, Chatplattformen und Firmenlösungen wie Buchhaltungs- und Rechnungsstellungsprogramme, die via Webbrowser angesteuert werden, sind Cloud Computing.

Klassisches Cloud-Computing liefern Web.de, GMX und co mit ihren E-Mail-Angeboten.

Keine Angst vor den Begriffen Wer sich für Dienste aus dem Internet interessiert, wird schnell bombardiert mit einer Unmenge an Begriffen: Software as a Service (SaaS), IaaS (Infrastruktur as a Service), PaaS (Plattform as a Service), Application-Service-Providing (ASP), On Demand, Cloud und Webapps sind nur eine kleine Auswahl der Termini, die sich rund um das Cloud Computing tummeln. Doch keine Angst: Gerade im Einsteigerumfeld meinen die Hersteller alle letztlich das Gleiche: Softwaredienstleistungen, die zentral auf einem Server bereitgestellt und über das Internet angeboten werden, wobei manchmal kleine Hilfsprogramme (Clients) auf den eigenen Rechnern zur Unterstützung installiert werden müssen.

Vorteile des Cloud-Computing Cloud Computing ist mit einem neuen Ansatz verbunden, mit IT umzugehen. In den USA hat sich diese Denke bereits weitgehend durchgesetzt, und es gibt dort kaum eine Firma oder einen Privatanwender mehr, der nicht in irgendeiner Form damit zu tun hat. Diese Begeisterung für Cloud Computing kommt auch zunehmend in Deutschland an: Alleine hierzulande rechnet der IT-Branchenverband BITKOM im Umfeld von Cloud Computing mit einem Anstieg des Gesamtumsatzes von 1,14 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro bis 2014. Das bedeutet jährliche Wachstumsraten im oberen zweistelligen Bereich. Wo kommt dieser Antrieb her? Die Antwort liegt in den zahlreichen Vorteilen. Erster Treiber ist die Tatsache, dass Computer-Anwendungen, die früher viel Geld gekostet hätten, nun dank Cloud Computing für jedermann erschwinglich – und dank der zunehmenden Breitbandabdeckung und Internetfähigkeit von Handys, Smartphones und Co – auch erreichbar sind und nicht mehr gekauft und vor Ort installiert werden müssen. Vereinfacht ausgedrückt: Früher musste eine Firma für die Einführung von Netzwerk-Lösungen, etwa für die Kommunikation, immense Beträge zahlen und in teure Server investieren. Heute kann sich jeder und weltweit kostenlos bei Skype und vergleichbaren Diensten anmelden und diese standortunabhängig nutzen. Die flexiblen Mietmodelle bringen weitere Vorteile mit sich: Sie ermöglichen es, Services günstig auszuprobieren oder, bei längerfristiger Inanspruchnahme, an den eigenen Bedarf anzupassen. Die Cloud wächst also mit zunehmender Unternehmensgröße mit. Praktisch: Support und regelmäßige Wartung der Dienste ist mitinbegriffen. Es ist bekannt, dass Software immer wieder an neue Bedingungen und Entwicklungen angepasst werden muss; zudem finden sich immer wieder Programmierfehler in Systemen. Cloud-Anbieter haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, können diese aber „hinter den Kulissen“ während des laufenden Betriebs austauschen, ohne dass die Kunden damit aufgehalten werden.

Nachteile des Cloud-Computing – Sicherheit von Cloud Computing Anbietern von Cloud-Lösungen ist ein „freches Ding“ gelungen: Sie haben den Begriff Cloud etabliert. Dieser Begriff suggeriert, dass die Wolke alles für uns erledigt und wir quasi  nur einen Stecker, hinter dem die fertige Lösung wartet, herausgereicht bekommen. Einstecken und sorgenfrei loslegen, das will die Industrie ihren Kunden gerne weismachen. Dem ist aber nicht so: Cloud Computing birgt eine enorme Menge an Gefahren. Wer auslagert, gibt Wertvolles aus der Hand. Es geht vor allem um das Fremdspeichern. In Masken eingegebene Informationen und Dateien werden auf fremden Servern abgelegt, die sich in den Händen der Dienstanbieter oder ihrer Rechenzentrumsbetreiber befinden. Es ist für die Cloud-Betreiber technisch leicht, einen Blick in diese Dateien und auf die fremden Daten zu werfen. Artec IT Solutions stellt neuen Cloud-Service vor Selbst wenn der Anbieter vertrauenswürdig oder etabliert ist, kann dieser immer noch Opfer einer erfolgreichen Hackerattacke werden, wie im Falle von Sony im Frühjahr dieses Jahres, als hunderttausende von Kreditkarteninformationen von den Servern des Spielekonsolen-Anbieters gestohlen wurden. Auch verloren erst jüngst Ende Februar 2011 weltweit 150.000 Google-Kunden durch eine Panne alle Ihre Mails, sofern sie diese nicht auch lokal gespeichert hatten. Schadensersatz war gemäß den Richtlinien nicht drin. So sollten sich die Nutzer von Cloud-Diensten genau erkundigen, bei wem sie welche Informationen speichern und abgeben - denn oftmals, wie im Falle von einigen Anbietern von Fotodatenbanken im Netz, tritt man auch die Rechte an den Inhalten ab!
Wie lässt sich dieses Probleme der Datensicherheit lösen? Zum einen sollten Cloud-Anbieter stets zu allen Fragen detailliert Auskunft geben können, im besten Falle bereits auf der eigenen Homepage - etwa unter den „FAQs“ - oder auch telefonisch. Auch zum Serverstandort: Denn es gilt in juristischen Streitfragen stets das Rechtssystem des Landes, in dem der betroffene Server steht. Auch ein Cloudanbieter mit deutschem Firmensitz kann, technisch gesehen, problemlos den eigenen Cloud-Server etwa in der Schweiz platzieren, womit schon nicht mehr EU-Recht greifen würde. Viele Anbieter werben mit zwar Sicherheitszertifikaten: Noch fehlt aber in Europa ein einheitlicher Sicherheitsbenchmark oder eine offizielle Institution, die Vergleiche ermöglicht. Strato nutzt diese begründete Sorge um den Datenschutz aus und wirbt konkret damit, dass die Server, auf denen der Cloud-Dienst HiDrive Free läuft (dabei handelt es sich um einen kostenlosen Online-Speicherplatz, der sich gegen Bezahlung noch erweitern lässt), in Deutschland stehen.

Obwohl Cloud Computing ihren Ursprung in der Geschäfts-IT hat, tummelt sich im Umfeld für private Konsumenten mittlerweile eine unendliche Zahl an Anbietern. Neben Mail-Providern wie Yahoo, 1und1, Web.de, der Telekom und Co, gehören, wie beschrieben, auch die Dienste von Facebook, Myspace, Xing,

Apples iCloud - Musik und Datenabgleich via die Cloud.

Apple hat die iCloud angekündigt, die Nutzern ab Herbst dieses Jahres Musikkonsum und Speicherplatz im Web verspricht (vorerst nur in den USA), daneben gibt es die Google Cloud und die Windows Cloud von Microsoft. Beide Anbieter stellen ihren Kunden mittlerweile Office-Anwendungen, die sich per Webbrowser ansteuern lassen, zur Verfügung: Google macht das über seine „Google Apps“, inklusive Tabellenkalkulation, Schreibprogramm und

Doodle - Terminfindung via die Cloud.

Dienste wie Picasa, Flickr und Myalbum.com oder Soundcloud ermöglichen es, eigene Fotos beziehungsweise Musik im Web abzustellen, darüber hinaus gibt es Cloudanbieter, die Bildbearbeitungsprogramme und Konverter im Web anbieten. Auch der beliebte Schweizer Terminfinderdienst Doodle liefert klassisches Cloud Computing. Weitere beliebte Cloud-Lösungen bewegen sich im Umfeld von Kommunikation und Storage, neben Mailing gibt es Lösungen für Chat, Wikis, Foren oder Video-Telefonie sowie Datenspeicherung- und Synchronisierung. Bei diesen sogenannten File-Sharing-Angeboten wie Dropbox, Wuala oder Teamdrive gleicht sich automatisch der Inhalt aller eingerichteten Computer- und Mobilegeräte-Dateiordner, die auf Webdienst zugreifen, ab und steht hinterher auch offline zur Verfügung.

Was kostet Cloud-Computing?

Flickr platziert Fotos kostenlos im Internet.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen – jeden Tag strömen neue Software- und Dienste-Entwickler mit ihren Lösungen auf den Markt – der Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt. Im Privatmarkt gilt: Es gibt mehrheitlich kostenlose Cloud Services, bezahlt wird aber auch hier: Ob mit Privatsphäre, erzwungener Aufmerksamkeit für Werbung oder der Abgabe von Rechten an Dateninhalten – einen (oft versteckten) Weg finden alle Anbieter, ihr Geschäft damit zu machen. Fast alle Cloud Computing-Dienste gibt es auch als Bezahlversionen, die genannte Nachteile verringern beziehungsweise nichtig machen. Drobbox beispielsweise ist bis zu zwei GB genutzten Speicherplatz kostenlos, eine Erweiterung auf bis zu 100 GB kostet rund 16 Cent je GB pro Monat. Der Bilderdienst Flickr kostet als Bezahlvariante rund 25 Dollar pro Jahr (bei unbegrenzter Speicherkapazität), bei Picasa muss man für 40 Gigabyte Webspeicherplatz rund 75 US-Dollar pro Jahr hinblättern. Die Konsumenten müssen es hinnehmen: Preise lassen sich im noch jungen Cloudmarkt nur schwer vergleichen, da die Lösungen der Anbieter oftmals noch nicht ausgereift sind, beziehungsweise sich Leistungsumfang und Nachfrage  noch zu häufig und deutlich voneinander unterscheiden.

Fazit und Blick in die Zukunft des Cloud Computing

Eines steht jetzt bereits fest: Cloud Computing ist nicht mehr aufzuhalten. Vielleicht verschwindet der Name irgendwann, aber die Technologie hat sich durchgesetzt. Zwar wird die Notwendigkeit, Software auf Rechnern lokal zu installieren, nicht aussterben, wie sich Experten sicher sind, aber sie wird sich weiter verringern. Bevor man aber weiterdenkt, wohin sich Cloud Computing entwickeln wird, muss erst ein Blick auf die Gegenwart geworfen werden: Was die Nachfrage an Privatkundenlösungen angeht und was die Reife vieler Produkte sowie die darum errichteten Sicherheitsmaßnahmen betrifft, steht der deutsche Markt noch am Anfang. Cloud Computing macht die IT vernetzter, mobiler und an vielen Stellen auch sozialer. Das begeistert immer mehr Menschen. Genau diese Euphorie lässt aber wesentliche Fragen, nämlich die nach der Sicherheit und dem Datenschutz, oftmals in den Hintergrund rücken.

 

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